Sein Marathondebüt feierte Ingo Grüneberg im Jahr 2000 in Köln. Damals bewältigte der Marathon-Novize die klassische Distanz über 42,195 Kilometer in respektablen 3:32:25 Stunden. Für seine Premiere in der Domstadt bereitete sich der Hobbyläufer zehn Monate lang vor – und verlor in dieser Zeit 15 Kilogramm. Seitdem zeigt seine Waage konstant 65 Kilogramm an.
Mittlerweile hat der 58-jährige Langstreckler aus der Laufgemeinschaft „Ruhrpotts Asseln“ 48 Marathonläufe auf der ganzen Welt absolviert. Am 1. März 2026 wartet nun ein besonderes Highlight auf ihn: der Start beim Tokio-Marathon.
Der Lauf gehört zu den begehrtesten Marathon-Veranstaltungen der Welt. Rund 300.000 Läuferinnen und Läufer bewerben sich jedes Jahr um einen Startplatz, doch nur etwa zehn Prozent erhalten eine Zusage. Ingo Grüneberg zählt zu den Glücklichen, die an diesem außergewöhnlichen Stadtmarathon teilnehmen dürfen. Die Strecke führt durch moderne Stadtteile ebenso wie durch historische Viertel. „Der Lauf ist eine Reise durch das Japan von gestern, heute und morgen“, heißt es in der Ausschreibung für die Mega-Veranstaltung.
Tokio bildet den Abschluss der Abbott World Marathon Majors, der bekanntesten Marathonserie der Welt. Zuvor standen bereits Boston, London, Berlin, Chicago und New York City auf dem Programm. Demnächst wird Sydney noch hinzukommen.
Die Teilnahme ist allerdings nicht nur konditionell, sondern auch finanziell eine Herausforderung. Für Flug, Unterkunft, drei zusätzliche Aufenthaltstage und das Startgeld von 450 Euro kommen für Ingo rund 7.000 Euro zusammen.
Jede Läuferin und jeder Läufer muss zudem eine Begleitperson mitbringen, die selbst nicht starten darf. Ingo hat seine langstreckenerfahrene Schwester Anja Röstel gebeten, ihn in Tokio zu begleiten. Die Abstimmung dürfte problemlos funktionieren, denn das Geschwisterpaar trainiert dreimal pro Woche gemeinsam. Natürlich übernimmt Ingo auch ihre Kosten.
40.000 Teilnehmende werden in Tokio erwartet
Der Dortmunder ist nicht der einzige Deutsche, der am 1. März in Tokio an den Start geht. Im vergangenen Jahr erreichten 23.260 Läuferinnen und Läufer das Ziel, darunter 1.040 Deutsche – trotz der hohen Kosten. Insgesamt werden in diesem Jahr rund 40.000 Teilnehmende erwartet, eine bunte Mischung aus Elite- und Hobbyläuferinnen und -läufern, ähnlich wie beim Berlin-Marathon.
Wer bereits in Tokio gestartet ist, berichtet von einer perfekt durchorganisierten Veranstaltung und von der großen Begeisterungsfähigkeit des japanischen Publikums.
Ingo Grüneberg hat sich die Strecke im Internet bereits angesehen: „Die ersten acht Kilometer weisen einen Höhenunterschied von 40 Metern auf. Danach ist der Parcours völlig eben bis ins Ziel. Die Strecke ist auf jeden Fall für schnelle Zeiten geeignet“, urteilt der Dortmunder Ausdauerspezialist, der eine Marathonbestzeit von 2:55:42 Stunden hat.
Acht Stunden Zeitverschiebung können eventuell ein Problem sein
Etwas mehr Respekt hat er vor der Zeitverschiebung von acht Stunden. „Beim Marathon in New York hatte ich mit den sechs Stunden Unterschied überhaupt keine Probleme. Aber diesmal fliege ich in die andere Richtung – damit habe ich keine Erfahrung“, betont der Marathon-Weltenbummler.
Für seine Vorbereitung legte Ingo zuletzt 100 Kilometer pro Woche zurück. Wenn kein besonderer Wettkampf ansteht, begnügt sich der Vermessungsingenieur, der in Soest arbeitet, mit wöchentlich 70 bis 80 Kilometern.
Von seinen bisherigen 48 Marathonläufen gefiel ihm der New-York-Marathon mit über 50.000 Teilnehmenden am besten. Die Atmosphäre beim Laufspektakel in der Metropole an der US-Ostküste war für ihn ein emotionaler Höhepunkt.
Vielleicht wird sein persönlicher Eindruck von New York am 1. März noch von Tokio übertroffen.
[Peter Middel]