Wie können Ehrenamtliche entlastet und Vereine besser unterstützt werden? Darüber sprachen der Kreis Dortmund und Katrin Lögering, Vorsitzende des Dortmunder Sportausschusses, in einem ersten Sondierungsgespräch. Der offene und herzliche Austausch war von einer gemeinsamen Überzeugung getragen: Sport und Politik müssen enger zusammenarbeiten.
Die aktuellen Zahlen des WestLotto-EhrenamtAtlas verdeutlichen, warum dieser Austausch wichtig ist. In Dortmund sank der Anteil der ehrenamtlich Engagierten von 47 Prozent im Jahr 2024 auf 45 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Einsatz der Aktiven von rund 187 auf 260 Stunden jährlich – ein Zuwachs von etwa 39 Prozent. Ein geringerer Anteil der Bevölkerung engagiert sich, während die Aktiven durchschnittlich deutlich mehr Zeit aufbringen.Hinzu kommt eine besorgniserregende Entwicklung beim Nachwuchs: NRW-weit sank die Ehrenamtsquote der 18- bis 29-Jährigen im gleichen Zeitraum von 58 auf 46 Prozent. Diese Ergebnisse betreffen das gesamte Ehrenamt, berühren aber auch die Zukunft der Sportvereine. Sie sind darauf angewiesen, junge Menschen für Verantwortung zu gewinnen und langfristig zu halten.
Für den FLVW-Kreis Dortmund ist die Entlastung der Vereine deshalb eine zentrale Aufgabe, an der bereits aktiv gearbeitet wird. Einfachere Abläufe und bedarfsgerechte Unterstützung sollen Freiräume schaffen: für die sportliche Arbeit, die Förderung junger Menschen und weitere wichtige Themen, die im anspruchsvollen Vereinsalltag häufig zu kurz kommen.
Der Dialog mit der Politik ergänzt diese Arbeit. Ein konkreter Ansatzpunkt ist der Zugang zu städtischen Zuschüssen über den Stadtrat und die Bezirksvertretungen. Hier setzt sich der Kreis aktiv für einfachere Antragswege und verständliche Zuständigkeiten ein. Im Gespräch mit Löggering bestand Einigkeit, dass moderne, effiziente Verfahren und klare Ansprechpartner die Vereine spürbar entlasten können. Wer neben Beruf und Familie Trainings organisiert, Mannschaften begleitet oder einen Verein führt, braucht Unterstützung, die ohne unnötige Hürden ankommt.
Dazu gehört auch, dass Politik stärker vor Ort präsent ist und aktiv auf Vereine zugeht. Regelmäßiger Kontakt, echtes Interesse und gemeinsames Nachdenken über Lösungen können helfen, Schwierigkeiten zu erkennen, bevor Verantwortliche an ihre Grenzen geraten. Wertschätzung wird so im Vereinsalltag erfahrbar.
Die Dortmunder Zahlen zeigen bei der wahrgenommenen Anerkennung zwar Fortschritte: Der gesellschaftliche Wertschätzungsindex stieg von 41 auf 45 Punkte, der politische von 21 auf rund 28 Punkte. Auf einer Skala bis 100 bleibt jedoch insbesondere bei der politischen Wertschätzung noch viel Raum für Verbesserungen.
Dabei steht mehr auf dem Spiel als die Organisation des Sportbetriebs. Vereine bilden einen Querschnitt unserer Gesellschaft ab. Sie bringen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Lebenslagen zusammen. Hier werden Verantwortung übernommen, Kompromisse gefunden und Gemeinschaft gestaltet. Damit sind Sportvereine wichtige Orte des Zusammenhalts und einer lebendigen Demokratie. Ihre ehrenamtlichen Strukturen zu stärken, ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe.
Der Fußballkreis verfolgt diesen Weg überparteilich. In naher Zukunft sucht er das Gespräch mit den Bezirksbürgermeisterinnen und Bezirksbürgermeistern sowie den Sportpolitikerinnen und Sportpolitikern der Stadt. Gleichzeitig geht er aktiv auf die Vereine zu, um ihre Erfahrungen und unterschiedlichen Bedürfnisse einzubeziehen. Gemeinsam werden daraus passgenaue Unterstützungsmöglichkeiten und Vorschläge erarbeitet, die anschließend auch in den Rat der Stadt Dortmund eingebracht werden können.
Das Gespräch mit Katrin Löggering war dafür ein gelungener Auftakt. Der FLVW-Kreis Dortmund und die Vorsitzende des Sportausschusses haben eine gemeinsame Richtung gefunden und gehen nun an die konkrete Ausarbeitung. Dieser beginnende Schulterschluss macht Mut: Gemeinsam lassen sich Bedingungen gestalten, unter denen Menschen gerne Verantwortung übernehmen – und die Zeit, Kraft und Freude behalten, unsere Vereine mit Leben zu füllen.
[Timo Lammert]
Foto: IMAGO / Hans Blossey
