Eine Zeit zwischen 3:30 und 3:45 Stunden hatte sich Ingo Grüneberg beim Tokio-Marathon vorgenommen. Sein Plan ging perfekt auf: Nach 42,195 Kilometern durch die japanische Hauptstadt blieb die Uhr für ihn bei respektablen 3:33:43 Stunden stehen.
Tokio bildete für den Dortmunder Marathonspezialisten den Abschluss der Abbott World Marathon Majors, der bekanntesten Marathonserie der Welt. Mit dem Finish in der japanischen Metropole durfte er die begehrte Six-Star-Medaille entgegennehmen – eine Auszeichnung, die nur Läuferinnen und Läufer erhielten, die alle sechs großen Weltmarathons (Tokio, Boston, London, Berlin, Chicago und New York) erfolgreich absolviert haben.
Von seinen inzwischen 49 Marathonstarts seit seinem Debüt im Jahr 2000 nimmt Tokio für Ingo Grüneberg, der eine Bestzeit von 2:55:42 Stunden (2005) hat, einen besonderen Stellenwert ein. In seinem persönlichen Ranking liegt der Lauf direkt auf zwei Platz zwei hinter New York – sowohl sportlich als auch atmosphärisch.
Die japanische Hauptstadt hat ihn nachhaltig beeindruckt. „Ich habe dort keinen Müll und keine Graffiti gesehen – und das in einer Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern. Ich habe mich sofort wohlgefühlt,“ berichtete der 58- jährigen Langstreckler der Ruhrpotts Asseln.
Diese ausgeprägte Sauberkeit spiegelte sich auch im Verhalten der Läuferinnen und Läufer wider. Die Strecke blieb selbst nach dem Durchlaufen des vielköpfigen Läuferfeldes nahezu makellos sauber, da die Teilnehmenden ihre Becher und ihren sonstigen Müll ausschließlich an den dafür vorgesehenen Stationen entsorgten. Für Ingo Grüneberg zählte diese Disziplin mit zu den besonderen Merkmalen des Tokio-Marathons.
Ebenso begeistert zeigte er sich von der erstklassigen Organisation der Mega-Veranstaltung. Um unbefugte Personen aus dem großen Starterfeld fernzuhalten, wurden Sicherheitskontrollen wie an Flughäfen durchgeführt. Trotz der enormen logistischen Herausforderungen – im Start- und Zielbereich sowie an den zahlreichen Verpflegungsstellen entlang der Strecke– blieben die vielen Volunteers stets freundlich, aufmerksam und hilfsbereit.
Hervorragende Unterstützung durch das Publikum
Als sehr angenehm empfand der Dortmunder auch den Fahrservice des Veranstalters vor und nach dem Rennen.Die Unterstützung des Publikums entlang der Strecke beschrieb Ingo Grüneberg als eine Mischung aus Begeisterung und typisch japanischer Zurückhaltung.
„Die Zuschauer waren nicht so lautstark wie in New York, aber ihre bunten Schilder in japanischer Schrift und ihre Anfeuerungsrufe haben eine einzigartige Atmosphäre geschaffen“, betonte der Marathon-Weltenbummler, der nach Tokio von seiner Langstrecken erfahrenen Schwester, Anja Röstel, begleitet wurde.
Bei Temperaturen um 17 Grad gingen rund 39.000 Läuferinnen und Läufer an den Start. Für etwa 2.000 von ihnen war Tokio der abschließende Lauf zur Six-Star-Medaille. Aufgrund der großen Nachfrage wurden die Startplätze gegenüber dem Vorjahr um 1.000 erhöht.
Die Beliebtheit des Rennens zeigt sich auch in den Bewerberzahlen: 300.000 Interessierte wollten teilnehmen, doch nur etwa 13 Prozent erhielten einen Startplatz.
Neu in die weltweite Marathonserie wurde vor kurzem der Lauf in Shanghai aufgenommen. Ob Ingo Grüneberg dort einmal starten wird, lässt er offen. Zum einen ist es eine Kostenfrage – für in Tokio zahlte er rund 7.000 Euro –, zum anderen werden auch in Shanghai die Startplätze verlost, was die Teilnahme letztlich zu einer Glückssache macht.
Nächtes Ziel ist der Marathon in Tokio
Nach einer kurzen Regenerationsphase richtet sich sein Blick nun auf den Helsinki-Marathon am 22. August 2026. Mit 2.276 Finishern im vergangenen Jahr ist dieser Lauf deutlich kleiner als Tokio, und auch das Startgeld fällt mit 80 bis 120 Euro wesentlich moderater aus als in Japan (450 Euro).
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