Er trickste, aber diesen Erfolg gönnten wir ihm nicht. Denn Christian Strauß (42) ist endlich fällig für eine Geschichte, die für ihn, diese Seele von Mensch, und stellvertretend für die vielen tollen Helfer steht. Diese machen die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft erstens überhaupt möglich, zweitens menschlich und drittens auch lustig. „Denn, wenn das keinen Spaß machen würde, wären wir nicht hier“, erklärte der Freiwillige des SC Husen-Kurl, der dann doch bereit für ein paar Sätze war.
Nein, er hatte keine Geschichte über sich gewollt. „Das liegt mir gar nicht. Ich brauche das auch nicht. Daher bin ich heute immer weggelaufen.“ Am Ende stellten wir ihn doch. Denn die vielen Gäste in der Halle Kreuzstraße brauchten doch mal Raum, um großen Dank loszuwerden. Auch unser Kreisvorsitzender Andreas Edelstein, zugleich erster Mann beim SC Husen-Kurl, der an dieser Stelle gar nicht viel über seinen Klub lesen muss, räumte schnell ein, dass Christian Strauß genau der Richtige sei, um das mit Leib und Seele gelebte Ehrenamt einmal ausdrücklich zu würdigen. „Christian mit seiner wunderbaren Art steht für viele Personen aus meinem Verein, aus dem Kreis und aus allen anderen Klubs dafür, dass unser Fußball überhaupt läuft und dabei nie sein Herz verliert“, war er voll des Lobes.
Dem stimmt wohl jeder zu, der das Lächeln und selbst in Stress-Situationen freundliche Gemüt von Strauß erleben darf. Gerne gönnt er dem Gegenüber etwas mehr, als dieser erbeten hatte. Deshalb bekommt Husens guter Geist jetzt auch mehr zurück, als er erbeten hat. Um bloß nicht alleine im Fokus zu stehen, brachte er den immer rührigen Dieter Bellack (57) zum Gespräch in den Katakomben der Halle mit. „Das muss eine Geschichte über alle werden, die hier helfen. Wir sind ein Team. Dadurch entsteht Freude, Zusammenhalt und eben auch Spaß. Wir helfen wirklich gerne“, bekräftigte Christian Strauß. Aber er koordiniert das Husen-Kurl-Herr der gut 30 Freiwilligen. Er gibt ihnen das freundliche, warme Gesicht: „Das spüren die Leute. Und ich glaube, deswegen gibt es hier in der Halle auch keinen großen Krach“, erklärt er. Freundlichkeit färbt eben doch ab. „Wir wissen schon, wie wir mit Hitzköpfen umgehen“, ergänzt Bellack, der noch längere Erfahrung im Ehrenamt hat. Für Christian Strauß ist es aber auch schon die elfte Stadtmeisterschaft im Dienste des Fußballs und dessen Freunden.
Und wenn dann alle freundschaftlich im Foyer der Halle zusammenkommen, führt für alle kein Weg am allseits gerühmten Schaschlik-Topf aus dem Hause Strauß vorbei. Dazu schmiert das Team im Akkord Brötchen, andere Fleißige teilen Getränke aus. Andreas Edelstein wusste auch, dass dieses Team das beste war, das der Klub während der Vorrunde zu bieten hatte. Das wäre selbst so gewesen, wäre der SCH weitergekommen.
Aber auch in der Zwischenrunde sind die guten Seelen aus Dortmunds Nordosten wieder an der Kreuzstraße. „Wir fühlen uns in dieser Halle fast heimisch“, sagt Christian Strauß. Und home ist ja bekanntlich, where the heart is, wie der Engländer sagt. Also das Zuhause ist da, wo das Herz ist. Und das pulsiert in aller Wärme in den rastlosen Körpern auch ein paar Kilometer vom eigenen Sportplatz entfernt.
Bereits im September beginne die Vorbereitung, erklärt Christian Strauß. Dann erfährt er, wer wann Zeit hat. Anschließend folgt schon die Aufgabenverteilung. Er sammelt Ideen, was sein Verein wie am besten anbietet. Kurz vorher geht es mit dem Einkauf weiter. Und dann läuft alles wie am Schnürchen. Das ist tatsächlich nicht nur an der Kreuzstraße so, sondern überall, wo die Vereine für die Zuschauer sorgen. Die Bescheidenheit vieler Helfer darf aber nie dazu führen, dass jemand sie übersieht. Jeder sollte mal in sich gehen, bevor er emotional Schuld irgendwo sucht, dass diese Leute hinter den Theken der Hallen selbstlos ihre Zeit zur Verfügung stellen, dass sie auch unter Strom stehen.
Im Falle Christian Strauß allerdings ist kaum vorstellbar, dass der Strom so stark sein kann, dass er aus der Haut fährt. Am Ende des Gesprächs lacht der Husener. „Jetzt haben wir es doch geschafft, aber übertreibe es bitte nicht in der Geschichte.“ Ihm mag das zwar jetzt so vorkommen, aber jedes noch so nette Wort über diesen besonderen Menschen kann überhaupt keine Übertreibung sein.
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[Alex Nähle]