Quelle: Boris Streubel (Bundesliga)
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Jedes Jahr rund um diesen Tag gedenkt der deutsche Fußball gemeinsam mit der Initiative „Nie wieder“ der im Nationalsozialismus verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen.
Das NS-Regime hat sich den Sport auf unterschiedliche Weise zu Nutze gemacht. Sport sollte unter anderem Arbeitsmoral und Kriegstüchtigkeit steigern und die Freizeitgestaltung normieren. Vor allem diente der Sport als Propagandamittel. Die Olympischen Spiele vor 90 Jahren waren das sportliche Großereignis schlechthin, das die Nazis dafür nutzten, ihre Macht zu demonstrieren und ihre Ideologie zu verankern – weit über Deutschland hinaus.
Sport und Fußball – nie unpolitisch
Auch der deutsche Fußball mit seinen englischen Wurzeln und seinen vielen jüdischen Pionieren wie Walther Bensemann, der im Jahr 1900 an der Gründung des DFB beteiligt war und 1920 den „kicker“ ins Leben rief, war nicht immun gegen den nationalsozialistischen Hass. Im Gegenteil: Viele Vereine wirkten an der Entrechtung jüdischer Bürger aktiv mit – obwohl die NS-Führung dies im Sport mit Rücksicht auf die Olympischen Spiele 1936 zunächst nicht forcierte. Es bedurfte vielerorts also nicht einmal von oben verordneter Gleichschaltung. Selbst für Nationalspieler wie Julius Hirsch, der mit dem von Bensemann gegründeten Karlsruher FV 1910 Deutscher Meister wurde, war in ihrem Sport kein Platz mehr. Hirsch wurde in Auschwitz ermordet.Viele führende Sportfunktionäre blieben trotz alledem nach 1945 in ihren Ämtern. Mehr als ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis Vereine und Verbände mit der Aufarbeitung ihrer Rolle während der NS- Zeit begonnen haben.
Was hat das heute mit uns zu tun?
All dies zeigt: Politische Neutralität des Sports ist eine Fiktion. Sportvereine sind per Organisationsform politische Institutionen, denn sie basieren auf demokratischen Grundwerten, leben von Mitbestimmung und Gleichberechtigung. Der Blick in die Geschichte zeigt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Und fast immer, wenn die Demokratie unter Druck gerät, geht dies einher mit antisemitischen Tendenzen. Der Fußball mit seiner Strahlkraft trägt Verantwortung, unsere demokratischen Werte zu leben und zu verteidigen.
Veranstaltung im Deutschen Fußballmuseum
Das Deutsche Fußballmuseum lädt anlässlich des Holocaust-Gedenktages zum zweiten „Soccer Science Day“ ein. Die gemeinsam mit hochrangigen Partnern organisierte ganztägige Veranstaltung schafft Raum für Austausch zwischen Forschung und Praxis im Kampf gegen Antisemitismus und andere Diskriminierungsformen im Fußball. In verschiedenen Panels werden gemeinsam Netzwerke geknüpft, Perspektiven gebündelt und Strategien für eine diskriminierungskritische Kultur entwickelt werden – im Fußball und darüber hinaus. Im Rahmen der Veranstaltung wird der neue Ausstellungsbereich zu Juden im deutschen Fußball feierlich eröffnet. Interessierte können sich hier anmelden. 2026 gilt umso entschlossener die Botschaft der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz: „Nie wieder“ ist jetzt. Und immer.
[DFL]