Andreas Edelstein wollte nur noch nach Hause zur Gattin und zur Katze. Einfach mal die Ruhe genießen. Denn der Kreisvorsitzende hatte einen Termin-, Telefon- und Informationsmarathon hinter sich. Traditionell gibt unser Kreisvorsitzender zuvor aber noch ein ausführliches Interview über die gerade gelaufene Hallenfußball-Stadtmeisterschaft.
Andreas, bevor wir deine Klassifizierung mit Leben füllen, benötigen wir deine Einordnung: Bist du sehr zufrieden, zufrieden oder nicht zufrieden?
Sehr zufrieden. Wie viele Besucher der Helmut-Körnig-Halle steht auch ich unter dem Eindruck der wirklich bislang einmaligen Stimmung. Wenn BW Huckarde und TV Brechten am Samstag noch dabei gewesen wären, wäre uns wohl der Kopf weggeflogen. Ich habe die Halle noch nie so laut erlebt. Die Spiele waren fair. Alle haben sich bis auf ganz wenige Ausnahmen in Vor- und Zwischenrunde seit dem Start am 20. Dezember sehr gut verhalten.Das heißt, ihr seht euch im Kreisvorstand auf eurem Kurs, es so zu machen, wie ihr es gemacht habt, mit dem Modus und den Regeln, bestätigt?
Ich würde gar nicht mal von Regularien sprechen. Wir stellen ja fest, dass wir als Kreis den Rahmen vorgeben, aber wirklich alle Teilnehmer den Kurs so fahren, wie er aktuell aussieht. Ohne Ehrenamt gäbe es die Veranstaltung nicht, aber auch nicht ohne die Spieler, die das Turnier aktiv gestalten. Letztendlich ist es ein sehr gutes Zusammenspiel zwischen Kreis und Vereinen.Gehen wir gerne noch einmal die besonders die medial Aufmerksamkeit erregenden Punkte durch: Das E-Ticketing ist für junge Menschen das Normalste der Welt, Ältere aber tun sich schwer damit. Welches Fazit ziehst du bei diesem Thema?
Dass der Weg für uns alternativlos ist. Wir können keine Bäume mehr für unser Papier vernichten, da ist alleine das Thema Nachhaltigkeit. Und dann ist es eine Frage des Aufwands. Wir hätten von Freitag auf Samstag noch mehr als Tausend Ticketanfragen per Papier abwickeln müssen. Wir entlasten das Ehrenamt und geben ihm durch die immer aktualisierten Verkaufszahlen Hinweise, mit welchem Andrang in den Hallen zu rechnen ist. Und die Leute, die heute ohnehin schon Schlange standen, hätten noch länger warten müssen. In Dortmund tun wir uns gerade beim Thema Stadtmeisterschaft mit Neuerungen schwer. Aber ich sage auch, dass zum Beispiel ein älterer Herr oder eine Dame aus Lütgendortmund früher nach Husen gefahren wäre, um eine Karte für die Halle an der Kreuzstraße abzuholen, sofern er oder sie überhaupt mobil war. Das Prozedere ist total einfach. Jeder hat bestimmt einen Verwandten oder Bekannten, der ihm gegebenenfalls hilft. Sonst nehmen wir vom Kreis uns gerne die Zeit und erklären das.Du erwähntest gerade das Hin- und Herfahren. Auch du wirst die Stimmen vernehmen, die eine streng nach regionalen Gesichtspunkten gerichtete Einteilung in Vor- und Zwischenrunde bevorzugen. Ist die Augenhöhe, die alle Teams in der Endrunde hatten, eine Bestätigung, dass das nur Setzen der Ausrichter und die weitere zufällige Verteilung der bessere Weg ist?
Für mich ja! Früher war es doch so: Im Süden ballten sich die höherklassigen Teams, im Norden und Westen war es von der Papierform her immer leichter, unter die besten Zwölf zu kommen. Jetzt haben wir seit Jahren deutlich ausgeglichenere Endrundenfelder. Dass es wie im DFB-Pokal, in dem Dortmund und Bayern auch in der dritten Runde aufeinandertreffen können, mal Ballungen gibt, mag ja sein, aber die haben wir eben nicht so geplant, sondern entspringen einem System, das alle gleichbehandelt. Und ich sage mal: Wenn du als Westfalia Huckarde in Brackel spielst, kannst du ja immer noch dein Bierchen nach den Spielen in der Halle Huckarde trinken. Und wir sind ja immer noch alle Dortmunder. Dazu kommt: Oft genug sorgen unsere Losfeen immer noch für echte Derbys.Dann steigen wir ins Sportliche ein. Selbst wenn nicht in allen Spielen die Atmosphäre herrschte wie zum Beispiel bei Westrich-Spielen, verfolgten die Zuschauer ziemlich gebannt das Geschehen. Was war anders?
Ich habe selten erlebt, dass die Halle durchgehend gut gefüllt war. Es ist eine Form der Wertschätzung, auch Teams, die ich nicht als Fan unterstütze, in der Halle zu verfolgen. Ein Endspiel, in dem jeder Platz besetzt war, habe ich lange nicht erlebt, vielleicht damals in der kleinen Wellinghofer Halle. Das lag aber auch daran, dass jeder jeden schlagen konnte. Selbst das Endspiel zwischen Bezirksligist SV Westrich und Westfalenligist BSV Schüren war komplett offen. Diese Ausgeglichenheit hat enorm viel bewirkt.Der BSV Schüren hat das Rennen gemacht, selbst wenn viele den vielen Westricher Fans und dem scheidenden Trainer Marc Risse den Titel gegönnt hätten…
Natürlich hätte ich mich auch für Westrich gefreut, aber der BSV hat sich den Sieg verdient. Der ist immer oben dabei. Den habe ich immer auf der Rechnung, selbst wenn mal ein Spiel nicht gelingt. Die Schürener haben zum Großteil tolle Spiele abgeliefert. Natürlich gönne ich denen den Triumph genauso wie allen anderen.Du sprachst gerade das Thema Wertschätzung an. Ist es ein Zeichen dafür, dass Dortmunds neuer Oberbürgermeister Alexander Kalouti nicht nur bei der Siegerehrung dabei war?
Ich habe im Scherz zu ihm gesagt, dass er, wenn er vor einem Jahr hier so präsent gewesen wäre, gar keine Stichwahl benötigt hätte. Bei der Stadtmeisterschaft ist es so leicht, ins Gespräch zu kommen. Der OB war am Freitag da. Am Samstag wollte er nach der Siegerehrung eigentlich nach Hause. Dass er noch Stunden danach mit den Leuten sprach und sich mit ihnen fotografieren ließ, werten wir in der Tat als Wertschätzung für die Stadtmeisterschaft.Deine Wertschätzung geht wie immer an Helfer und Partner, also Sponsoren: Du hast das Wort!
Ich habe mich ja schon per WhatsApp an die vielen Helfer und Unterstützer gewandt. Dazu zählen neben unseren Kreisleuten auch die aus den Vereinen. Aber auch die Medien habe ich miteinbezogen, denn durch sie erhalten wir die Reichweite, die diese Großveranstaltung verdient.Mit bleibt der Satz, „nichts würde ohne euch klappen“, in Erinnerung…
Und den meine ich auch exakt so. Ohne Vereine und Ehrenamt bräuchten wir erst gar nicht zu planen. Aber ich möchte natürlich explizit auf unsere Sponsoren, die wir eher als Partner bewerten, eingehen. Wir sind ihnen sehr dankbar dafür, dass dieses nicht billige Turnier finanziell, aber auch emotional so unterstützen. Viele sind dabei, weil sie längst Fans der Hallen-Stadtmeisterschaft sind. Natürlich pflegen sie am Rande des Turniers ihre Netzwerke, natürlich hören wir ihnen zu, wenn sie Anregungen haben. Ich habe aber das Gefühl, sie füllen sich alle gut bei uns aufgehoben, weil unser Turnier auf Menschen wirkt. Das betrifft Fußballer, Unternehmer und potenzielle Kunden. Es ist so einfach, in lockerer Fußballatmosphäre Kontakte zu knüpfen und pflegen. Zwei große Unternehmen haben von sich aus angefragt, ob sie einsteigen können, ohne dass wir bei ihnen darum geworben haben. Das heißt: Diese Veranstaltung lebt weiter.Heißt das für dich: Nach der Stadtmeisterschaft ist vor der Stadtmeisterschaft?
Heute und morgen schalte ich mal komplett vom Fußball ab. Aber dann geht es bald schon wieder los mit der Planung und den Gesprächen.[Alex Nähle]