Die Zwangspause aus Sicht eines Durchstarters

Für unseren Landesligaschiedsrichter Sebastian Strube ist die momentane Zwangspause alles andere als einfach. Nachdem die vergangenen Jahre für ihn mit einem Aufstiegsmarathon wie im Flug vergingen, ist die aktuelle fußballfreie Zeit nun eine außergewöhnliche Situation.
Wir haben mit dem FLVW-Perspektivteamschiedsrichter in einem Interview über seinen Umgang mit der aktuellen Lage und den rasanten Aufstieg der vergangenen Jahre gesprochen.

Aktuell gibt es durch die Corona-bedingte Pause gezwungenermaßen keine Spiele zu leiten. Wie sieht der sicher ungewohnte Sonntagnachmittag für einen Schiedsrichter ohne Fußball aus?

Sebastian Strube: Die Situation ist denkbar ungewöhnlich für alle Fußballbegeisterten. Auf der einen Seite vermisst man es natürlich regelmäßig auf Sportplätzen zu stehen und Spiele zu leiten oder auch Amateurspiele in der Umgebung zu besuchen. Auf der anderen Seite ist es ja aber nicht nur der Fußball, sondern vor allem auch der generelle Verzicht auf soziale Kontakte. Man kann allerdings nur versuchen das beste daraus zu machen und diese Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen indem man sich fit hält oder sich ggf. auch mal mit Themen auseinandersetzt, die einen schon länger interessieren oder für die man die Zeit bislang jedoch nicht wirklich fand.

Als aufstrebender Schiedsrichter des FLVW-Perspektivteams beschäftigst Du Dich natürlich auch mit Deiner sportlichen Entwicklung. Was für Auswirkungen hat die aktuelle Lage für Dich persönlich?

Sebastian Strube: Es ist sehr schwierig abzuschätzen inwieweit sich die Umstände auf die jeweilige sportliche Karriere auswirken werden, da die Beobachtungen für diese Saison bei einem großen Teil der Schiedsrichter wohl noch nicht abgeschlossen gewesen sein dürfte.
Natürlich liegt es auch mir am Herzen noch den einen oder anderen sportlichen Meilenstein in meiner Funktion als Schiedsrichter erreichen zu dürfen und freue mich, wenn ich diese eher früher als später erreiche. Aktuell wäre ich allerdings rundum zufrieden, wenn die Normalität wieder einkehren würde und wir alle überhaupt am Fußball teilhaben könnten. Ob am Saisonende dann Auf- und Abstiege der Schiedsrichter verzeichnet werden, ist zu diesem Zeitpunkt für mich persönlich eher zweitrangig.

Du bist gerade mal seit drei Jahren Schiedsrichter und pfeifst bereits jetzt Spiele in der Landesliga. Das klingt nach einer Bilderbuchkarriere! Hand aufs Herz: Wie hast Du das geschafft und wie viele ungeplante Opfer musstest Du dafür bringen?

Sebastian Strube: Ich habe im Februar 2017 meinen Schiedsrichterschein gemacht und bin gleich mit meinem ersten Spiel im März bei der Spruchkammer gelandet. Dadurch kam ich recht früh mit Personen unseres KSA in Kontakt und bekam vielleicht auch deswegen zügig meine ersten Beobachtungen des Kreises. Das Feedback der Beobachtungen war von Anfang an sehr hilfreich um grundlegende Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen und so zeitnah die „Basics“ zumindest halbwegs zu beherrschen.
Nachdem ich dann in die Bezirksliga aufstieg, wurde mir im Frühjahr 2018 vom Kreis die Möglichkeit gegeben Spiele eines fünftägigen U14-Turniers in Kaiserau zu leiten. Dieses Turnier nutzt der Verbandsschiedsrichterausschuss jährlich um Schiedsrichter aus Westfalen zu fördern und sich ein Bild von ihnen zu machen. Im Anschluss an das Turnier bin ich dann in das Perspektivteam des Verbandes aufgenommen worden und wurde somit von Beginn an auf Verbandsebene beobachtet und außerdem von meinem Coach, den ich im Rahmen des Perspektivteams zugeteilt bekam, über die gesamte Saison hinweg unterstützt. Dieser Unterstützung habe ich es unter anderem zu verdanken, dass ich mich weiter positiv entwickeln konnte und zur Saison 19/20 in die Landesliga aufgestiegen bin.
Alles in allem kann man also festhalten, dass es mit Sicherheit nicht ganz unwichtig ist hier und da auch mal eine richtige Entscheidung auf dem Platz zu treffen, der sportliche Aufstieg als Schiedsrichter aber ebenso Glück und in Beobachtungen die „richtigen“ Spiele erfordert.
Das Hobby als Schiedsrichter beansprucht insgesamt eine Menge Zeit und ist vor allem oftmals von Spontanität geprägt. Dadurch kommt es des öfteren vor, dass man Verabredungen, Termine oder auch Geburtstage kurzfristig verschiebt oder absagt. Auch wenn das manchmal für das Umfeld frustrierend sein kann, erfahre ich doch jede Menge Unterstützung von Familie und Freunden. Doch auch wenn ich versuche so viel Zeit wie möglich für die Schiedsrichterei aufbringen zu können, bin ich der Meinung, dass ein Hobby auf Amateurebene nicht immer die höchste Priorität im Alltag haben sollte und somit auch niemals das Gefühl entstehen sollte „Opfer“ für den Sport bringen zu müssen.

Etwas ungewöhnlich für einen talentierten Schiedsrichter ist Dein später Weg zum Hobby. Bereust du angesichts Deines rasanten Aufstiegs erst mit 21 Jahren den Schiedsrichterschein gemacht zu haben?

Sebastian Strube: Mit 14 Jahren stand ich schon einmal kurz davor meinen Schiedsrichterschein zu machen. Letzten Endes sah ich mich damals aber gezwungen mich zwischen Fußball spielen und Fußball pfeifen entscheiden zu müssen und entschied mich letzten Endes doch für das Spielen. Um ehrlich zu sein bereue ich diesen Entschluss nicht.
Auch wenn ich als aktiver Fußballer nie über die Kreisliga hinausgekommen bin, habe ich bis zu meinem 20. Lebensjahr selbst vor den Ball getreten und durfte im Jugendbereich von der F-Jugend bis zu den Senioren unter ein und demselben Trainer mit einer Mannschaft spielen, deren Kader sich jährlich kaum veränderte und die über all die Jahre hinweg unglaublich harmonierte.
Natürlich kann man sagen, dass ich heute vielleicht höher pfeifen würde, wenn ich früher angefangen hätte. Das sind allerdings reine Spekulationen, da es genau so gut hätte sein können, dass mich als junger Schiedsrichter ein negatives Erlebnis auf dem Platz dazu bewegt hätte, die Pfeife sofort wieder an den Nagel zu hängen.
Ich bin mit dem bisherigen Verlauf in allerlei Hinsicht absolut zufrieden und sehe somit keinen Grund meine Entscheidungen zu bereuen.