Allgemein Leichtathletik

Bernhard Bußmann: „Leichtathletik muss unter Coronabedingungen durchführbar sein“

Am Wochenende wurden die Uhren  zurückgestellt. Der Vorsitzende des westfälischen Verbands-Leichtathletik-Ausschusses, Bernhard Bußmann, hätte auf der virtuellen Wettkampfwarte-Tagung am Samstag (24. Oktober) die Zeit auch am liebsten  zurückgestellt, denn  bis  Mitte März war die Leichtathletik-Welt noch in Ordnung. Die Corona-Pandemie hat in der Leichtathletik in diesem Jahr jedoch alle Pläne über den Haufen geworden, sodass im wahrsten Sinne vier Monate nichts mehr lief. Trotz der desolaten Lage hat man im FLVW  nie die Hoffnung aufgegeben, den Wettkampfbetrieb auch unter den äußerst schwierigen Bedingungen möglichst zeitnah wieder aufzunehmen. Dabei war man sich stets der großen Verantwortung gegenüber allen am Wettkampfgeschehen Beteiligten bewusst. „Für die Kommission Wettkampforganisation sowie die Kampfrichterinnen und Kampfrichter war 2020 ein äußerst schwieriges Jahr. Wir haben uns in unserer Kommission  fast wöchentlich per Videokonferenz getroffen, um Lösungen zu finden, wie es weiter gehen kann. Leider mussten wir aufgrund der damaligen Lage alle westfälischen und NRW- Meisterschaften schweren Herzens absagen müssen. Auch der Deutsche Leichtathletik-Verband war zum Handeln gezwungen und musste einen Großteil seiner Titelkämpfe, auch die in Westfalen stattfinden sollten, streichen,“ berichtete Bernhard Bußmann.

Als der Corona-Lockdown im Juni  sukzessive gelockert wurde, zeichnete sich für die Athletinnen und Athleten, die während der Zwangspause fleißig weiter trainiert hatten, ein Silberstreif am Horizont ab. Bei den  deutschen Meisterschaften in Braunschweig,  den deutschen Jugendmeisterschaften in Heilbronn, den deutschen U16-Meisterschaften in Halle an der Saale  und den deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Vaterstetten konnten ihr sie ihr Leistungspotential wieder unter Beweis stellen.

Auch der VLA nahm nach dem rigorosen Lockdown verantwortungsvoll Lockerungen vor und ließ wieder Wettkämpfe zu. So fanden am 11. Juli und 15. August in Dortmund jeweils zwei Veranstaltungen mit über 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Das detaillierte Hygienekonzept ließ bei beiden Meetings, die sich jeweils von 9.00  bis 24.00 Uhr erstreckten, keine Sicherheitsbedenken aufkommen. Das Gleiche galt auch für die westfälischen U18/U16 Jugendmeisterschaften am 12./13. September in Hagen, bei dem sich alle Beteiligten vorbildlich verhielten.

„Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Kampfrichterinnen und Kampfrichtern bedanken, die sich unter den äußerst schwierigen Bedingungen für diese Veranstaltungen von morgens bis abends zur Verfügung gestellt haben. Ich habe aber auch Verständnis für diejenigen, die sich aufgrund ihres Alters oder aus gesundheitlichen Gründen solch eine Mammutaufgabe nicht zugetraut haben,“ sagte Bernhard Bußmann.

Die VLA-Chef hatte nach den Lockerungen  ursprünglich noch mehr Wettkämpfe in Westfalen erwartet, doch er wertet diese Zurückhaltung positiv: „Diese Reserviertheit zeigt, dass unsere Vereine mit den strengen Hygienebestimmungen in Absprache mit den Kommunen  sehr verantwortungsvoll umgegangen sind. Da bin ich froh, dass einige bereits im Vorfeld offen gesagt haben, dass sie die detaillierten Auflagen nicht erfüllen konnten.“

Trotz der starken Einschränkungen haben  viele Athletinnen und Athleten  die deutlich reduzierten Wettkampfangebote genutzt. So befinden sich in der westfälischen Bestenliste in der Klasse W 14 über 100 Meter 185 Mädchen. Erfreulich war für Bernhard Bußmann auch, dass in der Late Season  einige Kinderleichtathletik-Veranstaltungen stattgefunden haben.

Ein großes Problem bilden in diesem Jahr die stadionfernen Veranstaltungen. Über 150 Läufe fielen bzw. fallen noch in den kommenden Monaten der Corona-Pandemie zum Opfer.  Die Hauptschwierigkeiten bilden  bei stadionfernen Veranstaltungen nicht die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern die Begleitpersonen und Zuschauer, die sich bei den meisten Läufen nicht systematisch erfassen lassen, sodass im Falle einer  Infektion keine Rückverfolgung gewährleistet ist. Bernhard Bußmann  berichtete von  zwei Laufveranstaltungen in Dortmund und Münster, bei denen  beide Kurse komplett abgesperrt waren. Diese Restriktionen lassen sich jedoch nicht überall durchführen, sodass die Laufszene in Zukunft weiter vor großen Herausforderungen stehen wird.

 

Corona-bedingt musste die Verleihung des Ehrenamtspreises 2019 am 13. März 2020 abgesagt werden- genauso wie vier von sechs Vereinsdialogen. Sobald es die Corona-Lage erlaubt, werden diese Veranstaltungen nachgeholt. Für dieses  Jahr wird kein Ehrenamtspreis vergeben, damit es zeitlich zu keinen Überschneidungen kommt.

Ein wichtige Personalie steht für die westfälischen Leichtathleten in nächster Zeit an. Winfried Vonstein, der seit Dezember 2005 als Leistungssportkoordinator „Leichtathletik“ (später in Leitender Landesdisziplintrainer umbenannt) für den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen  arbeitet, geht zum Jahresende in den wohlverdienten Ruhestand. Mit Sebastian Nowak steht schon ein Nachfolger bereit. Der frühere mehrfache Westfalenmeister im Weitsprung und bisherige Athletiktrainer des FLVW-Mädcheninternats arbeitet sich momentan in seine neue Aufgabe ein.

 

2021 wird wie 2020 wahrscheinlich kein einfaches Jahr werden. Eine große organisatorische Herausforderung für den DLV und den FLVW wird  unter anderem die Durchführung der  Deutschen Hallenmeisterschaften am 21./22. Februar in Dortmund bilden. Ob diese zweitägige Veranstaltung mit oder ohne Zuschauer stattfinden wird, bleibt vorerst offen. Der DLV hofft auf eine Fernsehübertragung an beiden Tagen.

„Wir können noch so gut planen, entscheidend wird sein,  wie sich die Infektionszahlen in den kommenden Monaten entwickeln,“  betonte Bernhard Bußmann. Der VLA-Vorsitzende ist davon überzeugt, dass die Leichtathletik unter Corona-Bedingungen auch 2020 durchführbar ist

 

Text/Foto: Peter Middel

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